BlitzDefence

Sifu Hubert Werner bildet im Rahmen des Leung Ting WingTsun u.a. auch das BLITZDEFENCE System von Dai-Sifu Keith R. Kernspecht die Grundlage für den Praxisbezogenen Teil des Unterrichts.
Wer könnte wohl Fragen zum BLITZDEFENCE System besser beantworten als der Schöpfer des Systems selbst? Daher folgt jetzt ein Interview mit Dai-Sifu Keith R. Kernspecht zum Thema "BLITZDEFENCE - Die Strategie gegen den Schläger".


Professor Kernspecht, Sie sind Dozent für Pädagogik und Kampfkünste an mehreren ausländischen Universitäten. Worum geht es in Ihrem neuen Buch "BLITZDEFENCE - Die Strategie gegen den Schläger"?
Kernspecht:
Es geht mir darum, dem friedlichen Bürger einen Einblick in die Methoden von Schlägern zu geben und eine praktische Hilfe, um sich in dieser typischen Angriffssituation zu behaupten.

Also geht es um Selbstverteidigung. Ist das nicht ein Bereich, der bereits durch genügend Literatur abgedeckt ist?
Kernspecht:
Es existiert eine Unmenge an Literatur über diverse Selbstverteidigungstechniken. Aber leider gab es bisher kein Buch, das sich mit diesem speziellen Thema auch nur peripher auseinandersetzt.
Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das sich jährlich hunderttausendfach in unseren Diskos, Kneipen, auf Parkplätzen und in den Straßen abspielt.
Ein atavistisches Ritual zur Revier- und Territorialverteidigung. Es beginnt mit einem als zu intensiv empfundenen Blick, der zur Frage "Was guckst du so blöde?" führt. Wenn dem anderen nicht schnell genug etwas Entschärfendes einfällt, geht es von der visuellen und verbalen Phase in die taktile über, wo geschubst, geohrfeigt, dann geschlagen usw. wird.
Während Revierverteidigung bei Hirschen, Löwen und Warzenschweinen durchaus von Forschern untersucht wurde, betrat ich - was Menschen angeht - hier Neuland, was sich schon daran erkennen ließ, dass ich erst einen Begriff für diese Gattung "Kampf" schaffen musste. Ich nenne ihn den Ritualkampf.
Dabei entstehen durch diese "Schlägereien" so viel Schäden, dass die Gesellschaft ein Interesse daran haben sollte, dieses Phänomen zu erforschen.

Gab es denn solche Auseinandersetzungen nicht immer? Führte der Spruch "Was fixiert er mich?" nicht früher schon zu Duellen unter Edelleuten?
Kernspecht:
Richtig, aber früher war man instinktsicherer. Noch in den 50er und 60er Jahren kannte man seinen "Ehrenkodex" und hörte auf, sobald das erste Blut floss. Während damals Treten als "link" und feige galt, denkt sich heute kaum einer etwas dabei, dem schon liegenden Kontrahenten noch mal mit der "Pieke" ins Gesicht zu treten oder mit mehreren auf einen Einzelnen loszugehen. Dadurch haben wir es immer öfter mit Tötungsdelikten zu tun.

Worauf ist dieser Niedergang der Sitten Ihrer Meinung nach zurückzuführen?
Kernspecht:
Auf Alkohol- und Drogenkonsum und auf den Einfluss von verrohenden Filmen und Videos. Die Menschen kennen außerdem den Sinn der Revierverteidigungsrituale nicht mehr. Sie dienten - wie es immer noch bei den Tieren zu erkennen ist - zur Vermeidung eines Kampfes. Denn das Tier weiß, dass jeder Kampf ein Verlust ist. Selbst der Sieger kann Wunden davontragen, die ihn in freier Wildbahn langfristig das Leben kosten können. Nur der heutige Mensch stolpert instinktlos geworden in die Falle der Eskalation.
Wie bei einem harmlosen Kartenspiel blufft er, obwohl sein Blatt schlecht ist. Dabei setzt er immer öfter Gesundheit und Leben aufs Spiel.

Welche Lösungen bietet Ihr Buch dazu an?
Kernspecht:
Erstens Aufklärung über den genauen Ablauf und die Hintergründe der verschiedenen Phasen dieses Territorialkonfliktes und des Ritualkampfes. Denn bei psychologisch richtiger Verhaltensweise ist die Eskalation in jeder Stufe zu stoppen. Intuitiv beherrschen das einige wenige Menschen, die in bewunderungswürdiger Weise selbst die gefährlichsten Situationen entschärfen k und sich nie zu schlagen brauchen. Wer das nicht kann, der muss lernen, wie man richtig guckt, richtig spricht und notfalls richtig zuschlägt. Dazu muss man sich selbst verstehen lernen und das Gegenüber, das unbewusst in ähnlicher Weise jahrtausende altem Verhalten folgt. Man muss sein "Ego" genau wie auch die Auswirkungen des Flucht- und Angriffshormons Adrenalin wie Denkblockade, Lähmung, trockener Mund, zitternde Knie, Tunnelblick usw. kontrollieren können. Man muss wissen, dass der andere dieselben Symptome erlebt und man darf sie nicht mit "lähmender Angst" verwechseln.

Spielt Angst denn bei einer Konfrontation eine so entscheidende Rolle? Die meisten Kampfsportler oder große, kräftige Personen bestreiten es doch sogar zumeist dieses Gefühl überhaupt zu kennen.
Kernspecht:
Das Adrenalin wirkt auf jeden, und jeder hat "Angst", egal ob er es zugibt oder nicht. Entscheidend ist, damit umgehen zu lernen. Schläger haben leider den Vorteil der praktischen Erfahrung. Sie haben gelernt, sich selbst mutig und das Opfer "vor Angst gelähmt" zu gucken und zu reden.
Dadurch, dass sie zuerst die Initiative ergreifen und den anderen anfassen oder vor die Brust schubsen, ist ihre Angst buchstäblich "auf einen Schlag" wie weggeblasen, während der andere vor Angst wie gelähmt ist und kaum wagt, sich zu verteidigen, aus Sorge, er könne den Schläger noch wütender machen.

Viele Männer werden aber entgegnen, dass sie keine Anleitung zur Selbstverteidigung benötigen, da sie sich aus gefährlichen Situationen heraushalten. Ist Ihr Buch für die heutige Gesellschaft zeitgemäß?
Kernspecht:
Leider ja. Konnte man vor 10-20 Jahren noch bewusst Konflikten ausweichen, indem man bestimmte Orte vermied, so ist die heutige Situation ungleich gefährlicher. Das allgemein gestiegene Aggressionsverhalten lässt sich besonders, auf soziale Unzufriedenheit zurückführen, die so mancher nicht verarbeiten kann und nun andere Ventile sucht. Und bei Personen, die unter Einfluss von Drogen oder Alkohol stehen, hilft oft auch kluges Einlenken und Diplomatie nicht.
Manchmal hilft gegen Gewalt nur Gewalt.
Die neueste Kriminalstatistik von 1999 unterstreicht dies anschaulich. Mit 6,3 Millionen Straftaten fällt diese Statistik besser aus denn je. Die Delikte Autodiebstahl, Mord und Raubüberfälle sind genauso wie die Ladendiebstahszahlen sogar rückläufig. Einzig die Anzeigen wegen Körperverletzung stiegen an und zeigen ganz klar: Ein subjektives Sicherheitsempfinden kann trügerisch sein!

In Ihrem Buch gehen sie detailliert auf die Situation Mann gegen Mann ein für weibliche Leserinnen fehlen hingegen Hintergrundinformationen. Wieso diese Spezialisierung auf die männliche Zielgruppe?
Kernspecht:
Was Frauen anbelangt, so müssen wir von zwei verschiedenen
Angriffssituationen ausgehen:
1. Der Angreifer ist eine Frau.
2. Der Angreifer ist ein Mann.
Dass eine Frau etwa in der Disko eine andere Frau (z.B. aus Eifersucht) tätlich angreift, passiert immer häufiger. Hier handelt es sich um denselben Territorialkampf wie bei Männern. Auch auf diesem Gebiet hat das schöne Geschlecht schnell aufgeholt, ist aber sozusagen im Zeitraffer durch die Evolution gerast und hat die Kampfvermeidungsabsicht der Rituale nicht verinnerlicht. Dadurch entstehen Kämpfe zwischen Frauen oft zu schnell, als dass man sie stoppen könnte und sind im Verlauf grausamer und bedingungsloser als zwischen Männern. Was die Auseinandersetzung zwischen Frauen und Männern angeht, so gestaltet sich das "Vorspiel" dort gänzlich anders und erfordert eine andere psychologische Vorbereitung, wobei die Angstbekämpfung und die rein technische Verteidigung denselben Regeln folgt. Ein entsprechendes Buch für Frauen ist schon in Vorbereitung.

Wenn, wie Sie in Ihrem Bestseller "Vom Zweikampf" behaupten, in einer Konfliktsituation der Sieger zu einem großen Teil bereits vor der körperlichen Auseinandersetzung durch den "Pre-Fight" feststeht, wäre es doch sinnvoll, durch psychologische Seminare das Selbstbewusstsein so zu stärken, dass man nicht in die typische Opferrolle fällt. Wofür braucht man Selbstverteidigungstechniken?
Kernspecht:
Theoretisch macht das Sinn, aber es birgt Gefahren, falls das Gegenüber sich bei diesem Pokerspiel nicht "bluffen" lässt. Wird die Auseinandersetzung doch körperlich, fehlen die schlagkräftigen Argumente. Deshalb finden Sie in meinem Buch "BLITZDEFENCE - Die Strategie gegen den Schläger" einen ganzheitlichen Ansatz der Diplomatie, Psychologie, Körpersprache, Notwehrrecht, jederzeit sichere, aber getarnte Verteidigungsposition und notfalls konsequentes körperliches Kampfunfähigmachen des Gegners stimmig einschließt. Ich beschränke mich dabei auf drei oder vier Bewegungen, die den Aggressor innerhalb von zwei Sekunden ausschalten können.

Sie sind mit dem 10. Großmeistergrad der höchstgraduierte WT-Lehrer Europas und Cheftrainer der weltgrößten Kampfkunstorganisation. Der "Spiegel" bezeichnete Sie als den Einzigen, der jemals einen Ehrendoktor-Grad für seine Leistungen auf dem Gebiet der Selbstverteidigung verliehen bekommen hat. Haben Sie "BLITZDEFENCE - Die Strategie gegen den Schläger " also spezifisch für Ihre Schüler oder generell Kampfsportler als Zielgruppe geschrieben?
Kernspecht:
Ich würde mich freuen, wenn "BLITZDEFENCE - Die Strategie gegen den Schläger" von allen gelesen würde, die es brauchen. Ganz besonders von Laien. Viel Unheil könnte vermieden werden, wenn jeder die rituellen Abläufe dieser unseligen "Was guckst-du-so-blöde-willst-du-was-aufs-Mau"-Kämpfe kennen würde.

Also ist Ihr Buch eine Art Leitfaden für all diejenigen, die sich in gefährlichen Situationen verteidigen müssen?
Kernspecht:
Ja, aber natürlich nur der theoretische Teil. Ohne praktische Übungen ist eine Verteidigungsfähigkeit nicht zu erreichen. Man muss ca. sechs Monate einplanen.

Nur sechs Monate? Sie sprechen von geübten Kampfsportlern?
Kernspecht:
Nein, von Personen ohne Vorkenntnisse oder besondere körperlichen Voraussetzungen, weil wir uns im WT aufs Notwendige spezialisieren.

Was gibt Ihnen die Sicherheit, dass Ihre Techniken wirklich im Ernstfall funktionieren?
Kernspecht:
Ich habe nicht nur einige hunderttausend Schüler weltweit, sondern ich unterrichte als Gastlehrer auch die berühmtesten Eliteeinheiten der int. Polizeien bis zum FBI (USA). Das von mir entwickelte Programm wird seit über 15 Jahren von int. Geiselbefreiungs- und Antiterror-Teams weltweit mit sensationellem Erfolg eingesetzt. "WT-Blitzdefence" ist die jüngste Weiterentwicklung meiner Strategie, die die Psychologie noch stärker berücksichtigt und sich noch schneller erlernen lässt.

Sie sprechen vom WT (WingTsun). Warum ist gerade diese Kampfkunst so gut für die Selbstverteidigung geeignet? Es gibt doch diverse Kampfsportarten, die eine effektive Selbstverteidigung versprechen. Was ist das Besondere an Ihrem System?
Kernspecht:
WT ist auf die reine Selbstverteidigung spezialisiert. WT ist kein Sport, ist nicht durch sportliche Regeln entschärft, ist realistischer Nahkampf in Vollendung, kennt keine effekthaschenden Showtechn iken, erfordert keine Akrobatik und Körperkraft, sondern wurde ursprünglich von chinesischen Kämpferinnen geschaffen, um Männer in tödlichen Kämpfen zu besiegen. Und "WT-BLITZDEFENCE" ist die spezifische Antwort auf das Macho-Ritualkampf Problem.

Besuchen sie unbedingt auch die Blitzdefence Webseite unter www.blitzdefence.de.